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Konflikte mit Kollegen lösen

Konflikte mit Kollegen lösen

Konflikte mit Kollegen können sehr belastend sein – besonders dann, wenn Sie nach außen freundlich bleiben, innerlich aber stark genervt sind. Vielleicht erkennen Sie sich in der folgenden Anfrage wieder.

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Klientenanfrage: Merle, 26 Jahre, schreibt:

Mir ist etwas an mir aufgefallen, wofür ich mich schäme. Es geht um meine Freunde und Arbeitskolleg*innen. Ich bin von manchen extrem genervt, weil sie mir zu undiszipliniert sind. Wenn jemand krank ist oder sich Zeit für sich nimmt, verurteile ich das innerlich. Nach außen zeige ich Verständnis, aber innerlich denke ich: „Reiß dich doch zusammen.“ Vielleicht liegt das an meiner Erziehung. Ich werde oft für meine Leistung gelobt, habe aber das Gefühl, noch mehr leisten zu müssen. Gleichzeitig erwarte ich von anderen die gleiche Disziplin und Zuverlässigkeit.
Ich habe auch kein Verständnis für psychische Krankheiten, obwohl ich selbst schonmal wegen Depressionen und Borderline in einer Klinik war . Heute fühle ich mich stabil – auch durch Disziplin. Trotzdem halte ich psychische Probleme oft für „hausgemacht“.
Dieses Vorheucheln ist keine Lösung. Man merkt mir an, wenn ich genervt bin. Aber ich kann es auch nicht einfach offen sagen. Wie soll ich mit diesen Konflikten mit Kollegen umgehen?

Gründe für Konflikte mit Kollegen verstehen

Beim Lesen fällt auf: Sie nehmen starke Unterschiede zwischen sich und anderen wahr. Andere Menschen verhalten sich unterschiedlich, denken und fühlen eventuell anders, aber genauer betrachtet auch nicht unbedingt in gleicher Weise. Jeder hat seine eigene kleine Realität und Wahrheit, die aus der eigenen Lebensgeschichte und den eigenen überdauernden Persönlichkeitseigenschaften entstanden ist.

Unterschiedliche Werte, Prioritäten und Lebensrealitäten führen schnell zu Bewertungen anderer, was sich dann oft auch in der Kommunikation und im Beziehungsverhalten niederschlägt. Dabei ist wichtig, nicht vorschnell zu interpretieren, gelegentlich auch das eigene Wertesystem zu reflektieren und sich manchmal auch zu fragen, ob die Sichtweise anderer nicht auch etwas Positives hat und man von ihnen lernen könnte.

Ein möglicher Ansatz, um Konflikte mit Kollegen zu lösen, ist ein bewusster Perspektivwechsel.

Übung zum Perspektivwechsel:

Setzen Sie sich auf den Stuhl einer Person, die Ihnen Ärger bereitet. Wenn Sie dies nicht real können, stellen Sie sich bildlich vor, Sie würden auf ihrem Stuhl sitzen. Gehen Sie in Gedanken den Tag dieser Person durch, mit den Informationen, die Ihnen zur Verfügung stehen. Wann steht die Person auf? Was passiert vor dem Verlassen des Hauses in der Wohnung? Wie ist der Arbeitsweg? Welche Aufgaben stehen im Büro an und mit wem arbeitet die Person zusammen? Was wissen Sie über deren Privatleben? Und so weiter… Versuchen Sie nun, aus der Perspektive der Person möglichst viele Hypothesen dazu zu entwickeln, warum sich diese Person in konkreten Situationen so verhält, wie Sie es beobachtet haben. Je mehr Ideen, desto besser…
Vielleicht gibt es Überlegungen, die die Person in einem anderen, besseren Bild zeigen und zu mehr Nachsicht führen. Vielleicht erkennen Sie, dass andere mit ihrer Art, die Dinge zu betrachten und für sich Entscheidungen zu treffen, gewisse Vorteile im Leben haben. Wer entscheidet darüber, was richtig und falsch, angemessen und unangemessen ist?

Eigene Zufriedenheit am Arbeitsplatz reflektieren

Neben dem Verhalten der anderen lohnt sich der Blick auf Sie selbst.

      • Was brauchen Sie persönlich für mehr Zufriedenheit im Job?
      • Entsteht Ihr Ärger aus einem Gefühl von Ungerechtigkeit?
      • Welche Form von Anerkennung würde Ihnen guttun?
      • Wie nehmen Kolleg*innen Ihren Leistungsanspruch vermutlich wahr?
      • Was ist das richtige Maß von Geben und Nehmen? Wer entscheidet darüber?
      • Oder mal angenommen, Ihre Arbeit wäre gerade gar nicht das Thema, was müsste in Ihrem Privatleben passieren, damit Sie zufrieden und ausgeglichen sind?

Noch eine Gedanke: Stellen Sie sich vor, Ihre Kollegen unterhalten sich über Sie und Sie würden zufällig heimlich mithören. Welche Hypothesen über Ihre Leistung, Ihre Disziplin und Ihren Anspruch bei der Arbeit hätten Ihre Kollegen? Was würden Ihre Kollegen Ihnen wünschen? Welche Vorstellungen haben Ihre Kollegen von Ihrem Privatleben?

Konflikte mit Kollegen ansprechen – aber wie?

Sie schreiben, dass Scham Sie davon abhält, Ihren Ärger offen zu zeigen. Gleichzeitig belastet Sie das Zurückhalten Ihrer Gedanken und Gefühle.

Wenn Sie Konflikte mit Kollegen lösen möchten, kann ein Gespräch entlastend sein – entscheidend aber ist das Wie. Außerdem ist ein Gespräch unter vier Augen meist sinnvoller als in einer Gruppe. Gibt es jemanden aus Ihrem Team, zu der/dem Sie etwas Vertrauen haben, der/dem Sie sich öffnen könnten? Achten Sie beim Ansprechen der Konflikte mit Kollegen darauf, Ihre Wahrnehmung zu betonen und von Ihrer Sicht zu sprechen, also bewusst keinen allgemeingültigen Bewertungsmaßstab anzulegen. So lassen Sie dem Gegenüber die Freiheit, eine eigene Wahrnehmung der Situation zu äußern.

Hilfreich sind Ich-Botschaften statt Vorwürfe:

      • „Ich fühle, dass …“
      • „Ich nehme wahr, dass …“
      • „Ich wünsche mir, dass …“

Fangen Sie mit kleinen Dingen an, vielleicht auch zunächst im privaten Umfeld, wo Sie eventuell eher den Mut aufbringen können, kritische Themen anzusprechen, da hier bereits eine Vertrauensbasis besteht.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einige Anregungen geben!

Literaturempfehlungen

  • Verena Kast: Konflikte anders sehen: Die eigenen Lebensthemen entdecken. Patmos Verlag, 2020
  • Marshall B. Rosenberg: Konflikte lösen durch Gewaltfreie Kommunikation: Ein Gespräch mit Gabriele Seils. Verlag Herder, 2023
  • Friedemann Schulz von Thun & Mathias Hütter: Miteinander reden 2: Stile, Werte und Persönlichkeitsentwicklung. Rowohlt Taschenbuch, 2010
  • Philipp Karch: Was mich ärgert, entscheide ich: Konflikte klug bewältigen. BusinessVillage, 2024

 

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    Psychologin Elke Aliatakis Diplom-Psychologin · Psychologische Online-Beratung

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    Elke Aliatakis begleitet Erwachsene und Paare in herausfordernden Lebensphasen. Im Fokus stehen persönliche Krisen, belastende Veränderungen sowie das Finden neuer Perspektiven – einfühlsam, strukturiert und lösungsorientiert im Rahmen der psychologischen Online-Beratung.

    • Umgang mit Konflikten und Stress in Familie und Beruf
    • Selbstzweifel und Verunsicherung bei neuen Lebenssituationen (z. B. Leben im Ausland)
    • Verlusterfahrungen und persönliche Krisen
    • Entscheidungsfindung und Neuorientierung
    • Sich als Paar wiederfinden und neu entdecken
  • Die Antworten im Blog von Psychologen Online dienen als erste Orientierung. Sie ersetzen keine Psychotherapie und stellen keine ausreichende Unterstützung bei schweren psychischen Erkrankungen dar.
    Der jeweilige Blog-Artikel wurde unentgeltlich von einer Psychologin oder einem Psychologen von Psychologen Online verfasst. Er gibt die persönliche fachliche Einschätzung der Autorin bzw. des Autors wieder, die auf einer fundierten Ausbildung sowie praktischer Beratungs- und gegebenenfalls Therapieerfahrung basiert.
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